Das Fräulein von Scuderi - E.T.A. Hoffmann - Страница 1 из 103


Honoré war das kleine Haus gelegen, welches Magdaleine von
Scuderi, bekannt durch ihre anmutigen Verse, durch die Gunst Ludwig
des XIV. und der Maintenon, bewohnte. Spät um Mitternacht
– es mochte im Herbste des Jahres 1680 sein – wurde an
dieses Haus hart und heftig angeschlagen, daß es im ganzen Flur
laut widerhallte. – Baptiste, der in des Fräuleins kleinem
Haushalt Koch, Bedienten und Türsteher zugleich vorstellte, war
mit Erlaubnis seiner Herrschaft über Land gegangen zur Hochzeit
seiner Schwester, und so kam es, daß die Martiniere, des
Fräuleins Kammerfrau, allein im Hause noch wachte. Sie hörte
die wiederholten Schläge, es fiel ihr ein, daß Baptiste
fortgegangen und sie mit dem Fräulein ohne weitern Schutz im
Hause geblieben sei; aller Frevel von Einbruch, Diebstahl und Mord,
wie er jemals in Paris verübt worden, kam ihr in den Sinn, es
wurde ihr gewiß, daß irgendein Haufen Meuter, von der
Einsamkeit des Hauses unterrichtet, da draußen tobe und,
eingelassen, ein böses Vorhaben gegen die Herrschaft
ausführen wolle, und so blieb sie in ihrem Zimmer, zitternd und
zagend und den Baptiste verwünschend samt seiner Schwester
Hochzeit. Unterdessen donnerten die Schläge immer fort, und es
war ihr, als rufe eine Stimme dazwischen "So macht doch nur auf um
Christus willen, so macht doch nur auf!" Endlich in steigender Angst
ergriff die Martiniere schnell den Leuchter mit der brennenden Kerze
und rannte hinaus auf den Flur; da vernahm sie ganz deutlich die


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