Das Majorat - E.T.A. Hoffmann - Страница 1 из 121


unfern liegt das Stammschloß der Freiherrlich von R..schen
Familie, R..sitten genannt. Die Gegend ist rauh und öde, kaum
entsprießt hin und wieder ein Grashalm dem bodenlosen
Triebsande, und statt des Gartens, wie er sonst das Herrenhaus zu
zieren pflegt, schließt sich an die nackten Mauern nach der
Landseite hin ein dürftiger Föhrenwald, dessen ewige,
düstre Trauer den bunten Schmuck des Frühlings
verschmäht, und in dem statt des fröhlichen Jauchzens der zu
neuer Lust erwachten Vögelein nur das schaurige Gekrächze
der Raben, das schwirrende Kreischen der sturmverkündenden
Möwen widerhallt. Eine Viertelstunde davon ändert sich
plötzlich die Natur. Wie durch einen Zauberschlag ist man in
blühende Felder, üppige Äcker und Wiesen versetzt. Man
erblickt das große, reiche Dorf mit dem geräumigen
Wohnhause des Wirtschaftsinspektors. An der Spitze eines freundlichen
Erlenbusches sind die Fundamente eines großen Schlosses
sichtbar, das einer der vormaligen Besitzer aufzubauen im Sinne hatte.
Die Nachfolger, auf ihren Gütern in Kurland hausend, ließen
den Bau liegen, und auch der Freiherr Roderich von R., der wiederum
seinen Wohnsitz auf dem Stammgute nahm, mochte nicht weiter bauen, da
seinem finstern, menschenscheuen Wesen der Aufenthalt in dem alten,
einsam liegenden Schlosse zusagte. Er ließ das verfallene
Gebäude, so gut es gehen wollte, herstellen und sperrte sich
darin ein mit einem grämlichen Hausverwalter und geringer


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