Das Sanctus - E.T.A. Hoffmann - Страница 1 из 28


Doktor schüttelte bedenklich den Kopf. – »Wie«,
rief der Kapellmeister heftig, indem er vom Stuhle aufsprang,
»wie! so sollte Bettinas Katarrh wirklich etwas zu bedeuten
haben?« – Der Doktor stieß ganz leise drei- oder
viermal mit seinem spanischen Rohr auf den Fußboden, nahm die
Dose heraus und steckte sie wieder ein ohne zu schnupfen, richtete den
Blick starr empor, als zähle er die Rosetten an der Decke und
hüstelte mißtönig ohne ein Wort zu reden. Das brachte
den Kapellmeister außer sich, denn er wußte schon, solches
Gebärdenspiel des Doktors hieß in deutlichen lebendigen
Worten nichts anders, als: »Ein böser böser Fall
– und ich weiß mir nicht zu raten und zu helfen, und ich
steure umher in meinen Versuchen, wie jener Doktor im Gilblas di
Santillana.« – »Nun, so sag Er es denn nur geradezu
heraus«, rief der Kapellmeister erzürnt, »sag Er es
heraus, ohne so verdammt wichtig zu tun mit der simplen Heiserkeit,
die sich Bettina zugezogen, weil sie unvorsichtigerweise den Shawl
nicht umwarf, als sie die Kirche verließ – das Leben wird
es ihr doch eben nicht kosten, der Kleinen.« – »Mit
nichten«, sprach der Doktor, indem er nochmals die Dose
herausnahm, jetzt aber wirklich schnupfte, »mit nichten, aber
höchstwahrscheinlich wird sie in ihrem ganzen Leben keine Note
mehr singen!« Da fuhr der Kapellmeister mit beiden Fäusten
sich in die Haare, daß der Puder weit umherstäubte und


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