Das fremde Kind - E.T.A. Hoffmann - Страница 1 из 63


Brakelheim Es war einmal ein Edelmann, der hieß Herr
Thaddäus von Brakel und wohnte in dem kleinen Dörfchen
Brakelheim, das er von seinem verstorbenen Vater dem alten Herrn von
Brakel geerbt hatte, und das mithin sein Eigentum war. Die vier
Bauern, die außer ihm noch in dem Dörfchen wohnten, nannten
ihn den gnädigen Herrn, unerachtet er wie sie, mit schlicht
ausgekämmten Haaren einherging und nur sonntags, wenn er mit
seiner Frau und seinen beiden Kindern Felix und Christlieb
geheißen, nach dem benachbarten großen Dorfe zur Kirche
fuhr, statt der groben Tuchjacke, die er sonst trug, ein feines
grünes Kleid und eine rote Weste mit goldenen Tressen anlegte,
welches ihm recht gut stand. Eben dieselben Bauern pflegten auch,
fragte man sie: "Wo komme ich denn hin zum Herrn von Brakel?" jedesmal
zu antworten: "Nur immer vorwärts durch das Dorf den Hügel
herauf wo die Birken stehen, da ist des gnädigen Herrn sein
Schloß!" Nun weiß doch aber jedermann, daß ein
Schloß ein großes hohes Gebäude sein muß mit
vielen Fenstern und Türen, ja wohl gar mit Türmen und
funkelnden Windfahnen, von dem allen war aber auf dem Hügel mit
den Birken gar nichts zu spüren, vielmehr stand da nur ein
niedriges Häuschen mit wenigen kleinen Fenstern, das man kaum
früher als dicht davor angekommen, erblicken konnte. Geschieht es
aber wohl, daß man vor dem hohen Tor eines Schlosses
plötzlich still steht und, angehaucht von der


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