Das steinerne Herz - E.T.A. Hoffmann - Страница 1 из 39


Jedem Reisenden, der bei guter Tageszeit sich dem
Städtchen G. von der südlichen Seite bis auf eine halbe
Stunde Weges genähert, fällt der Landstraße rechts ein
stattliches Landhaus in die Augen, welches mit seinen wunderlichen
bunten Zinnen aus finsterm Gebüsch blickend, emporsteigt. Dieses
Gebüsch umkränzte den weitläufigen Garten, der sich in
weiter Strecke talabwärts hinzieht. Kommst du einmal,
vielgeliebter Leser! des Weges, so scheue weder den kleinen Aufenthalt
deiner Reise, noch das kleine Trinkgeld, das du etwa dem Gärtner
geben dürftest, sondern steige fein aus dem Wagen, und laß
dir Haus und Garten aufschließen, vorgebend, du hättest den
verstorbenen Eigentümer des anmutigen Landsitzes, den Hofrat
Reutlinger in G., recht gut gekannt. Im Grunde genommen kannst du
dies alsdann mit gutem Fug tun, wenn es dir gefallen sollte, alles,
was ich dir zu erzählen eben im Begriff stehe, bis ans Ende
durchzulesen; denn ich hoffe, der Hofrat Reutlinger soll dir alsdann
mit all seinem sonderbaren Tun und Treiben so vor Augen stehen, als ob
du ihn wirklich selbst gekannt hättest. Schon von außen
findest du das Landhaus auf altertümliche groteske Weise mit
bunten gemalten Zieraten verschmückt, du klagst mit Recht
über die Geschmacklosigkeit dieser zum Teil widersinnigen
Wandgemälde, aber bei näherer Betrachtung weht dich ein
besonderer wunderbarer Geist aus diesen bemalten Steinen an und mit


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