Der Magnetiseur - E.T.A. Hoffmann - Страница 1 из 63


(Erstdruck 1814) Träume sind Schäume
„Träume sind Schäume“, sagte der alte Baron,
indem er die Hand nach der Klingelschnur ausstreckte, um den alten
Kaspar herbeizurufen, der ihm ins Zimmer leuchten sollte; denn es war
spät geworden, ein kalter Herbstwind strich durch den übel
verwahrten Sommersaal, und Maria, in ihren Shawl fest eingewickelt,
schien mit halbgeschlossenen Augen sich des Einschlummerns nicht mehr
erwehren zu können. – „Und doch“, fuhr er fort,
die Hand wieder zurückziehend, und aus dem Lehnstuhl vorgebeugt
beide Arme auf die Kniee stützend – „und doch
erinnere ich mich manches merkwürdigen Traumes aus meiner
Jugendzeit!“ – „Ach, bester Vater“, fiel
Ottmar ein, „welcher Traum ist denn nicht merkwürdig, aber
nur die, welche irgend eine auffallende Erscheinung verkündigen
– mit Schillers Worten: die Geister, die den großen
Geschicken voranschreiten – die uns gleich mit Gewalt in das
dunkle geheimnisvolle Reich stoßen, dem sich unser befangener
Blick nur mit Mühe erschließt, nur die ergreifen uns mit
einer Macht, deren Einwirkung wir nicht ableugnen können.“
„Träume sind Schäume“, wiederholte der Baron
mit dumpfer Stimme, „und selbst in diesem Weidspruch der
Materialisten, die das Wunderbarste ganz natürlich, das
Natürlichste aber oft abgeschmackt und unglaublich finden“,
erwiderte Ottmar, „liegt eine treffende Allegorie.“
– „Was wirst du in dem alten verbrauchten Sprichwort


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