Des Vetters Eckfenster - E.T.A. Hoffmann - Страница 1 из 42


Meinen armen Vetter trifft gleiches Schicksal mit dem bekannten
Scarron. So wie dieser hat mein Vetter durch eine hartnäckige
Krankheit den Gebrauch seiner Füße gänzlich verloren,
und es tut not, daß er sich, mit Hilfe standhafter Krücken
und des nervichten Arms eines grämlichen Invaliden, der nach
Belieben den Krankenwärter macht, aus dem Bette in den mit Kissen
bepackten Lehnstuhl, und aus dem Lehnstuhl in das Bette schrotet. Aber
noch eine Ähnlichkeit trägt mein Vetter mit jenem Franzosen,
den eine besondere, aus dem gewöhnlichen Gleise des
französischen Witzes ausweichende Art des Humors trotz der
Sparsamkeit seiner Erzeugnisse in der französischen Literatur
feststellte. So wie Scarron schriftstellert mein Vetter; so wie
Scarron ist er mit besonderer lebendiger Laune begabt und treibt
wunderlichen humoristischen Scherz auf seine eigne Weise. Doch zum
Ruhme des deutschen Schriftstellers sei es bemerkt, daß er
niemals für nötig achtete, seine kleinen pikanten
Schüsseln mit Asa fötida zu würzen, um die Gaumen
seiner deutschen Leser, die dergleichen nicht wohl vertragen, zu
kitzeln. Es genügt ihm das edle Gewürz, welches, indem es
reizt, auch stärkt. Die Leute lesen gerne, was er schreibt; es
soll gut sein und ergötzlich; ich verstehe mich nicht darauf.
Mich erlabte sonst des Vetters Unterhaltung, und es schien mir
gemütlicher, ihn zu hören, als ihn zu lesen. Doch eben
dieser unbesiegbare Hang zur Schriftstellerei hat schwarzes Unheil


-10     пред. Страница 1 из 42 след.     +10