Die Elixiere des Teufels - E.T.A. Hoffmann - Страница 1 из 466


günstiger Leser! unter jene dunkle Platanen führen, wo ich
die seltsame Geschichte des Bruders Medardus zum ersten Male las. Du
würdest dich mit mir auf dieselbe, in duftige Stauden und bunt
glühende Blumen halb versteckte, steinerne Bank setzen; du
würdest, so wie ich, recht sehnsüchtig nach den blauen
Bergen schauen, die sich in wunderlichen Gebilden hinter dem
sonnichten Tal auftürmen, das am Ende des Laubganges sich vor uns
ausbreitet. Aber nun wendest du dich um und erblickest kaum zwanzig
Schritte hinter uns ein gotisches Gebäude, dessen Portal reich
mit Statuen verziert ist. – Durch die dunklen Zweige der
Platanen schauen dich Heiligenbilder recht mit klaren, lebendigen
Augen an; es sind die frischen Freskogemälde, die auf der breiten
Mauer prangen. – Die Sonne steht glutrot auf dem Gebürge,
der Abendwind erhebt sich, überall Leben und Bewegung.
Flüsternd und rauschend gehen wunderbare Stimmen durch Baum und
Gebüsch: als würden sie steigend und steigend zu Gesang und
Orgelklang, so tönt es von ferne herüber. Ernste
Männer, in weit gefalteten Gewändern, wandeln, den frommen
Blick emporgerichtet, schweigend durch die Laubgänge des Gartens.
Sind denn die Heiligenbilder lebendig worden und herabgestiegen von
den hohen Simsen? – Dich umwehen die geheimnisvollen Schauer der
wunderbaren Sagen und Legenden, die dort abgebildet, dir ist, als
geschähe alles vor deinen Augen, und willig magst du daran


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