Die Geheimnisse - E.T.A. Hoffmann - Страница 1 из 80


Fragments aus dem Leben eines Phantasten:
»Die Irrungen« Merkwürdige Korrespondenz des
Autors mit verschiedenen Personen (als Einleitung) Mein Herr!
Unerachtet gewisse Schriftsteller und sogenannte Dichter wegen ihres
nicht leicht zu unterdrückenden Hanges zur groben Lüge und
anderer der gesundesten Vernunft schädlicher Phantasterei nicht
in dem besten Rufe stehen, so habe ich doch Sie, der Sie ein
öffentliches Amt bekleiden, mithin wirklich etwas sind,
ausnahmsweise für einen wackern gutmütigen Mann gehalten.
Kaum in Berlin angekommen, mußte ich mich aber leider vom
Gegenteil überzeugen. Womit habe ich alter schlichter, einfacher
Mann, ich ruhmvoll entlassener Kanzleiassistent, ich Mann von feinem
Verstande, humanen Sitten, großer Wissenschaft, ich Ausbund von
gutem Herzen und schöner Denkungsart, womit, sage ich, habe ich
es um Sie verdient, daß Sie mich dem verehrungswürdigen
Publikum in Berlin zur Schau stellen und in dem Taschenkalender von
diesem Jahr nicht allein alles erzählen, was sich mit dem Herrn
Baron Theodor von S., meiner fürstlichen Pflegebefohlnen und
mir begeben, sondern mich noch dazu (ich habe alles erfahren)
abkonterfeien lassen nach dem natürlichen Leben und in Kupfer
stechen, wie ich lustwandle mit meinem Herzenskinde über den
Pariser Platz durch die Linden und wie ich dann im Bette liege in
zierlichen Nachtkleidern und mich erschrecke über des Herrn
Barons unvermuteten Besuch. Ist Ihnen vielleicht mein


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