Die Geschichte vom verlornen Spiegelbilde - E.T.A. Hoffmann - Страница 1 из 24


Endlich war es doch so weit gekommen, daß Erasmus Spikher den
Wunsch, den er sein Leben lang im Herzen genährt, erfüllen
konnte. Mit frohem Herzen und wohlgefülltem Beutel setzte er sich
in den Wagen, um die nördliche Heimat zu verlassen und nach dem
schönen warmen Welschland zu reisen. Die liebe fromme Hausfrau
vergoß tausend Tränen, sie hob den kleinen Rasmus, nachdem
sie ihm Nase und Mund sorgfältig geputzt, in den Wagen hinein,
damit der Vater zum Abschiede ihn noch sehr küsse. »Lebe
wohl, mein lieber Erasmus Spikher«, sprach die Frau schluchzend,
»das Haus will ich dir gut bewahren, denke fein fleißig an
mich, bleibe mir treu und verliere nicht die schöne
Reisemütze, wenn du, wie du wohl pflegst, schlafend zum Wagen
herausnickst.« – Spikher versprach das. – In
dem schönen Florenz fand Erasmus einige Landsleute, die voll
Lebenslust und jugendlichen Muts in den üppigen Genüssen,
wie sie das herrliche Land reichlich darbot, schwelgten. Er bewies
sich ihnen als ein wackrer Kumpan, und es wurden allerlei
ergötzliche Gelage veranstaltet, denen Spikhers besonders muntrer
Geist und das Talent, dem tollen Ausgelassenen das Sinnige
beizufügen, einen eignen Schwung gaben. So kam es denn, daß
die jungen Leute (Erasmus, erst siebenundzwanzig Jahr alt, war wohl
dazuzurechnen) einmal zur Nachtzeit in eines herrlichen, duftenden
Gartens erleuchtetem Boskett ein gar fröhliches Fest begingen.


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