Die Jesuitenkirche in G. - E.T.A. Hoffmann - Страница 1 из 43


1817) In eine elende Postchaise gepackt, die die Motten, wie die
Ratten Prosperos Fahrzeug, aus Instinkt verlassen hatten, hielt ich
endlich, nach halsbrechender Fahrt, halbgerädert, vor dem
Wirtshause auf dem Markte in G. Alles Unglück, das mir
selbst begegnen können, war auf meinen Wagen gefallen, der
zerbrochen bei dem Postmeister der letzten Station lag. Vier magere
abgetriebene Pferde schleppten nach mehrern Stunden endlich mit
Hülfe mehrerer Bauern und meines Bedienten das baufällige
Reisehaus herbei; die Sachverständigen kamen, schüttelten
die Köpfe und meinten, daß eine Hauptreparatur nötig
sei, die zwei, auch wohl drei Tage dauern könne. Der Ort schien
mir freundlich, die Gegend anmutig und doch erschrak ich nicht wenig
über den mir gedrohten Aufenthalt. Warst du, günstiger
Leser! jemals genötigt, in einer kleinen Stadt, wo du niemanden
– niemanden kanntest, wo du jedem fremd bliebst, drei Tage zu
verweilen, und hat nicht irgend ein tiefer Schmerz den Drang nach
gemütlicher Mitteilung in dir weggezehrt, so wirst du mein
Unbehagen mit mir fühlen. In dem Wort geht ja erst der Geist des
Lebens auf in allem um uns her; aber die Kleinstädter sind wie
ein in sich selbst verübtes, abgeschlossenes Orchester
eingespielt und eingesungen, nur ihre eignen Stücke gehen rein
und richtig, jeder Ton des Fremden dissoniert ihren Ohren und bringt
sie augenblicklich zum Schweigen. – Recht mißlaunig


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