Meister Martin der Küfner und seine Gesellen - E.T.A. Hoffmann - Страница 1 из 90


Gesellen Wohl mag dir auch, geliebter Leser, das Herz aufgehen in
ahnungsvoller Wehmut, wenn du über eine Stätte wandelst, wo
die herrlichen Denkmäler altdeutscher Kunst wie beredte Zeugen
den Glanz, den frommen Fleiß, die Wahrhaftigkeit einer
schönen vergangenen Zeit verkünden. Ist es nicht so, als
trätest du in ein verlassenes Haus? – Noch liegt
aufgeschlagen auf dem Tische das fromme Buch, in dem der Hausvater
gelesen, noch ist das reiche bunte Gewebe aufgehängt, das die
Hausfrau gefertigt; allerlei köstliche Gaben des
Kunstfleißes, ab Ehrentagen beschert, stehen umher in saubern
Schränken. Es ist, als werde nun gleich einer von den
Hausgenossen eintreten und mit treuherziger Gastlichkeit dich
empfangen. Aber vergebens wartest du auf die, welche das ewig rollende
Rad der Zeit fortriss, du magst dich denn überlassen dem
süßen Traum, der dir die alten Meister zuführt, die zu
dir reden fromm und kräftig, dass es dir recht durch Mark und
Bein dringt. Und nun verstehst du erst den tiefen Sinn ihrer Werke,
denn du lebst in ihrer Zeit und hast die Zeit begriffen, welche
Meister und Werk erzeugen konnte. Doch ach! Geschieht es nicht, dass
die holde Traumgestallt, eben als du sie zu umfangen gedachtest mit
lebenden Armen, auf lichten Morgenwolken scheu entflieht vor dem
polternden Treiben des Tages und du auch plötzlich, hart
berührt von dem um dich wogenden Leben, aus dem schönen
Traum, und nichts bleibt dir zurück als die tiefe Sehnsucht,


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