Ritter Gluck - E.T.A. Hoffmann - Страница 1 из 17


Jahre 1809 Der Spätherbst in Berlin hat gewöhnlich noch
einige schöne Tage. Die Sonne tritt freundlich aus dem
Gewölk hervor, und schnell verdampft die Nässe in der lauen
Luft, welche durch die Straßen weht. Dann sieht man eine lange
Reihe, buntgemischt – Elegants, Bürger mit der Hausfrau und
den lieben Kleinen in Sonntagskleidern, Geistliche, Jüdinnen,
Referendare, Freudenmädchen, Professoren, Putzmacherinnen,
Tänzer, Offiziere usw. durch die Linden nach dem Tiergarten
ziehen. Bald sind alle Plätze bei Klaus und Weber besetzt; der
Mohrrübenkaffee dampft, die Elegants zünden ihre Zigarros
an, man spricht, man streitet über Krieg und Frieden, über
die Schuhe der Mad. Bethmann, ob sie neulich grau oder grün
waren, über den geschlossenen Handelsstaat und böse Groschen
usw., bis alles in eine Arie aus »Fanchon«
zerfließt, womit eine verstimmte Harfe, ein paar nicht gestimmte
Violinen, eine lungensüchtige Flöte und ein spasmatischer
Fagott sich und die Zuhörer quälen. Dicht an dem
Geländer, welches den Weberschen Bezirk von der Heerstraße
trennt, stehen mehrere kleine runde Tische und Gartenstühle; hier
atmet man freie Luft, beobachtet die Kommenden und Gehenden, ist
entfernt von dem kakophonischen Getöse jenes vermaledeiten
Orchesters: da setze ich mich hin, dem leichten Spiel meiner Phantasie
mich überlassend, die mir befreundete Gestalten zuführt, mit
denen ich über Wissenschaft, über Kunst, über alles,


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