Auf der Universität - Edmund Hoefer - Страница 1 из 41


Für den größten Theil der
jungen Leute, welche sich drei oder vier Jahre auf der
Universität mit ihren Studien beschäftigen, geht diese Zeit
gemeiniglich so schnell, und, was das Leben der Gefühle und
Empfindungen betrifft, auch so flach und inhaltslos vorüber,
daß sich nur wenige von ihnen späterhin besonders ernsthaft
an dieselbe erinnern mögen. Lustige Ausgelassenheit und Tollheit
einerseits, ein paar sogenannte Freundschaften und die Studien
anderseits füllen diese Tage dermaßen, daß sie im
Fluge vorbeiziehen, daß sie wohl Kopf und Phantasie
beschäftigen, aber das Herz nur sehr selten berühren. Denn,
mag man auch sagen und einwenden, was man will, es bleibt ein ziemlich
gut begründeter Ausspruch, daß, was unser Inneres treffen
und bewegen soll, kaum jemals im Augenblick erscheinen und
entschwinden werde; es müsse und wolle vielmehr eine gewisse
Dauer, eine Art von Ruhe haben. Und die findet es bei den
Musensöhnen nicht gerade häufig. So bleibt also verzweifelt
wenig für die Erinnerung zurück. Ueber die
Ausgelassenheit ärgern wir uns später höchstens einmal,
denn sie war nicht sein, und wir sind jetzt feine Leute. Die
schönen Freundschaften, die wir etwa geschlossen, sind gemeinhin
sehr vergänglicher Natur gewesen; zwei oder dreimal
schrieb man sich nach der Trennung noch in immer längeren
Zwischenräumen, und verlor einander dann aus den Augen und aus


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