Aus einer Familie - Edmund Hoefer - Страница 1 из 48


1. Einem heißen Tage war ein schöner, milder Abend
gefolgt. In der stillen, kleinen Straße spazierten die Leute
gemüthlich und plaudernd auf und ab oder saßen vor den
Thüren ihrer Wohnungen und schauten den Kindern zu, welche auf
den Sandhaufen der im Tage dort arbeitenden Dämmer ihr Wesen
trieben. In der quer vorüberziehenden Straße sah man die
Spaziergänger in großer Menge vom nahen Thore kommen oder
auch Gruppen von Handwerkern und anderen lustigen Gesellen zu irgend
einem Wirthshause hinausziehen. Und indem fingen die Glocken auf den
Thürmen fern und nahe an zu schlagen, und von der Hauptwache am
nicht weit entlegenen Markt klang der Zapfenstreich herüber. In
der stillen klaren Höh' begannen allgemach die ersten Sterne zu
zittern. Der alte Tischlermeister saß auf der kleinen
Bank, welche zwischen dem Eckpfeiler der Hausthür und der
stolzen, üppig grünenden Linde eingeklemmt war, die sein
Haus beschattete; er hatte sich an den rauhen Stamm gelehnt, die Arme
übereinandergeschlagen, rauchte den dunkel gebrannten
Meerschaumkopf und schaute ruhig auf die ihn umgebende friedliche
Scenerie. Den übrigen Theil der Bank nahm seine Frau ein, welche
eifrig mit ihrem Strickstrumpf beschäftigt war; ihnen
gegenüber saß Karoline, die Tochter des Hauses, auf einem
herbeigeholten Stuhl, gleichfalls mit ihrer Strickerei. Und alle drei
waren still. Die Gesellen kamen aus dem Hause, um mit einem


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