Das Anneken von Seedorf - Edmund Hoefer - Страница 1 из 26


  Das Dorf liegt ganz still und eng mit seinen
armen niedrigen Hütten auf einer Landzunge, die sich lang und
scharf geschnitten in die See hinaus streckt. Vorn dehnt sich das Meer
aus unermeßlich und unergründlich, ein schmaler Strand und
hohe Dünen schirmen das grüne fruchtbare Land gegen die
Flut; im Hintergrund tritt ein schöner alter Wald mit kleinen
davorliegenden Wiesen fast bis an die äußersten Häuser
des Dorfs. Die Leute wohnen da unbeachtet und wenig bekannt; zu Lande
kommt selten Jemand zu ihnen, noch seltener geht einer von ihnen in's
Land hinein, denn die harten staubigen Fluren lieben sie nicht. Alle
sind Seeleute und in älteren Jahren Fischer, ein rauhes, hartes,
tüchtiges Geschlecht mit schwerem Körper,
wettergebräunten Gesichtern. Im Sommer ist von den Männern
niemand daheim als die Alten und Gebrechlichen, die übrigen sind
fort zur See. In den Hafenstädten kennt man sie, und ein
Seedorfer ist immer sicher, die beste Stelle an Bord eines Schiffes zu
erhalten. Ihr Ruf als unerschrockene Matrosen, als ehrliche Leute ist
über jeden Zweifel erhaben und wiegt auf, was man von ihrer
störrigen Ungeduld und Heftigkeit Uebles zu sagen hat. Denn wie
die See an ihren Küsten, brandet ein heißes Blut auch in
ihren Köpfen und die Messer sitzen gar zu los in den langen
Seitentaschen der groblinnenen Hosen. Darum geht man ihnen gern aus
dem Wege, aber mit Unrecht. Ohne Grund treten sie keinem zu nah und


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