Das Wyler Schlößchen. Die rothen Nelken. Ein Schrei - Edmund Hoefer - Страница 1 из 196


1. Es ist nun schon über vierzig Jahre her, denn
es war gleich nach dem großen Kriege, in dem die Franzosen aus
Deutschland gejagt wurden, da sah's um die berühmte Handels- und
Fabrikstadt bei weitem anders aus, als heutzutage. Von all den
Straßen, die gegenwärtig vor ihren Mauern schier eine
größere, reichere und lebhaftere Stadt bilden, als die alte
drinnen jemals gewesen, war damals wenig die Rede. Vor einigen Thoren
gab es zwar schon die sogenannten Vorstädte, meistens aber fand
man diesseits der Mauern, Wälle und Gräben nichts als Wiesen
und Felder oder höchstens Gemüse- und Obstgärten in
armseligen, keinen Neugierigen zurückhaltenden Zäunen; und
wenn man ja hie und da auf ein Gebäude stieß, so war's eine
Scheune, ein Schuppen oder ein Gartenhäuschen, in welchem die
Arbeitsgeräte der Besitzer aufbewahrt wurden. Vor dem
Heiligengeist-Thore war es nicht anders; gleich hinter der alten
wackeligen Zugbrücke über den auf dieser Seite sehr breiten
und tiefen Graben fingen die Felder und Wiesen an, selbst der
Gärten gab es wenige, und die Lerchen sangen ungestört und
fröhlich über dem einsamen Gelände. Ging man ein paar
hundert Schritte auf der Landstraße fort, so stieß man
auf einen Weg, der zu schmal fast für Fuhrwerke und zu breit
für Fußgänger, sich rechts abzweigte und zwischen den
Feldern, Wiesen und Gärten weiterführte. Man sah's ihm an,
daß er nicht häufig betreten wurde; die Besitzer der


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