Der Alte von Menkendorf - Edmund Hoefer - Страница 1 из 453


von der Waterkant * Potsdam, Geschäftsstelle
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Erstes Kapitel In der Herberge zu den »St.
Jakobsbrüdern« Die alte Stadt, in der unsere
Geschichte beginnt, hat wie fast jede an den deutschen Küsten
eine große Vergangenheit hinter sich. Als sie aus einer kleinen
Ansiedlung armer Fischer zu einem Markt und bald darauf zur Stadt in
festen Ringmauern wurde, erhob sie sich mit überraschender
Schnelligkeit und Kraft zu Reichtum, Ansehen und Macht. Die
Straßen mit ihren stolzen Giebelhäusern dehnten sich aus,
und als hundert Jahre herum waren, war der Platz ein geachtetes
Mitglied der Hansa, und seine Orlogschiffe vereinten sich mit denen
der Schwesterstädte zu den gewaltigen Flotten, welche die Ost-
und Nordsee der deutschen Herrschaft unterwarfen. Aber die Zeiten
änderten sich. Auf die Jahrhunderte des Emporblühens folgten
andere, wo Stillstand sich mit Lässigkeit gesellte. Das
Herabsinken hub an. Fehden im Innern, Kriege, aus Dünkel geboren,
untergruben die gedeihliche Ordnung. Der Verfall begann. Und in dem
gleichen Maße wie Deutschlands Ansehen abnahm, wuchs die Macht
und der Übermut der Nachbarn. Der Handelsverkehr erlahmte. Die
Häfen versandeten und verschlammten. Die Städte wurden zu
öden, bedeutungslosen Orten, in denen Mutlosigkeit und dumpfe
Ergebung in ein anscheinend unabänderliches Geschick ihre
widerwärtigen Früchte zeitigten. Genau so, ja schlimmer als


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