Der wilde Heide - Edmund Hoefer - Страница 1 из 84


Es passirt zuweilen, daß Jahre über uns
kommen, in denen wir weder selbst was erleben, noch Andere etwas
erleben sehen, wo wir weder etwas zu beobachten haben, noch etwas
Neues erfahren. Es gibt hin und wider ein Ereigniß, das etwas zu
werden verspricht, das einen heitern oder trüben, interessanten
Verlauf nehmen zu wollen scheint – und schließlich ist es
nur eine Seifenblase. Ein Mensch wird uns angekündigt, dessen
Geist gerühmt wird; wir kommen mit Mühe in seine Nähe
– und er hat grade seine schwache Stunde und gewährt uns
nichts. Ein anderer erscheint, dessen Leben ein bedeutendes, bewegtes
war, der sich auf all den bunten Pfaden eine reiche Erfahrung erwarb,
unendliche Kenntnisse sammelte, die interessantesten Anschauungen
gewann, und zu dem allem die Gabe hat, auf das Lehrreichste und
Anmuthigste davon zu erzählen. Wir erwarten Gott weiß was
von ihm und erhalten vielleicht eine breite Unterhaltung über
dies oder das Theater oder über die beste Methode, einen
Hummersalat zuzubereiten. Kurz in solcher Zeit ist Langeweile und
Eintönigkeit am Ruder und macht Köpfe und Herzen stumpf. Es
ist, als müsse das Leben auch einmal eine Art Winterschlaf
halten. Dagegen passirt es denn aber auch hin und wider,
daß plötzlich etwas bisher gänzlich Unbeachtetes zum
Besondern ausschlägt, daß ein Mensch, der uns als
der gleichgültigste und unbedeutendste erschien, mit einemmal


-10     пред. Страница 1 из 84 след.     +10