Die alte Erlaucht - Edmund Hoefer - Страница 1 из 215


Erstes Kapitel. Stillleben
»Also deutsch heraus, mon neveu – wollen Sie mit
mir nach Königshofen hinüber kommen, oder nicht?«
fragte sie ein wenig verdrießlich und legte dabei die Hand an
die Mähne des Pferdes, welches der alte Leibjäger am
Zügel hielt, als wolle sie sich auf die Antwort hin gleich in den
Sattel schwingen. – Der junge Mann schüttelte mit einem
schelmischen Lächeln den Kopf. »Nicht kapabel, liebe
Großtante,« sagte er dann. »Seit die Seejungfer
drüben ist – sie ist doch noch dort, Tantchen? –
scheint's mir gar nicht mehr geheuer.« – Sie zog die Hand
zurück und setzte sie bequem in die Seite. »Du bist ein
Narr, Hugo,« entgegnete sie dabei; »was hast du gegen die
Diana?« – »Ich, Tantchen? Viel! Vor allen Dingen
– wir passen beide gar zu sehr zu einander! Da könnte es in
Wahrheit heißen: »Ich hab' Euch erkannt beim ersten
Blick
An Eurem spöttischen Knixe –
Du bist kein irdisches Menschenkind,
Du bist mein Mühmchen, die Nixe!
»Brr!« setzte er sich schüttelnd hinzu, »das
könnte eine gefährliche Geschichte werden! Fordern Sie den
Teufel nicht heraus, Tantchen! Königshofen – das ganze alte
Gemäuer, würde wenigstens sicher auf den Kopf gestellt, wenn
wir zwei da zusammen unser Spiel hätten.« Sie war
herzlich lachend wieder näher zu ihm getreten und zupfte ihn


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