Briefe, die ihn nicht erreichten - Elisabeth von Heyking - Страница 1 из 217


unendlich erfreut – vor allem, weil er weniger traurig klingt,
als ich gefürchtet hatte. Es wäre mir ja beinahe
beschämend, wenn Ihnen Peking ohne mich nicht ein bißchen
grauer und öder erschiene, und ich möchte etwas von Ihnen
vermißt werden – aber nicht zu sehr. Es ist alles eine
Frage von Nuancen, und Sie haben, vielleicht durch das jahrelange
Studium alter chinesischer Brokate und Porzellane, ein merkwürdig
feines Verständnis für Nuancen, und haben genau diejenige
getroffen, die mir wohltuend sein mußte. Haben Sie also
Dank für Ihren Brief, wie für so manches andere!
Unsere kurzen Ferien in Japan sind mit jener erschreckenden
Geschwindigkeit vergangen, die den guten Zeiten nun einmal eigen ist.
Ich will Ihnen keine nachträgliche Reisebeschreibung schicken,
kennen Sie doch Madame Chrysanthêmes Heimat so viel besser als
ich; ich will Ihnen nur sagen, daß ich dort viel an Sie
gedacht habe, denn durch alles, was Sie mir erzählt, und durch
die Bücher, die Sie mir darüber geliehen, kannte ich Japan
schon, als ich hinkam. Es war mir, als fände ich dort lauter alte
Bekannte wieder; in den Teehausmädchen, die unsern Rickshaw-Kulis
mit derselben Grazie und Höflichkeit wie uns selbst Tee
servierten, wie in den Landarbeitern, welche, hoch aufgeschürzt
oft bis an die Knie in den sumpfigen Reisfeldern versanken und sich
bei Regenwetter Strohdecken überbanden, deren abstehende


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