Liebe, Diplomatie und Holzhäuser - Elisabeth von Heyking - Страница 1 из 368


hatte Axel Kronar durch das Coupéfenster die eintönige
Ebene an sich vorüberziehen sehen. Abends traf er endlich an
seinem neuen Bestimmungsorte ein. Langsam fuhr der Zug über die
große Brücke, die zwei Länder verbindet, und vom hohen
jenseitigen Flußufer funkelten ihm die Lichter der Stadt
freundlich entgegen. Ein Kanzleidiener erwartete Axel auf der
Station und teilte ihm mit, der Gesandte lasse ihn bitten, nicht ins
Hotel zu fahren, sondern vorläufig bei ihm zu wohnen. So
stieg er in eine offene Droschke, auf deren Bock der Kanzleidiener
kletterte, während sein eigener Diener mit dem Gepäck
folgte. Der Mond stand am Himmel, spiegelte sich in dem still
gleitenden Flusse und beschien die niedrigen weißen
Häuschen, die die steilen Abhänge hinaufzuklimmen schienen.
Die Droschke holperte bergan auf dem schlechten Pflaster der
menschenleeren Straßen, an deren Seiten Reihen junger Bäume
standen. Aus nahen Gärten, die Axel nicht genau zu unterscheiden
vermochte, strömte der Duft feuchter Erde und blühender
Frühlingsbüsche hinaus in die Nacht, Erinnerungen und
Heimweh weckend. Axel aber war weder alt noch jung genug, um
sich bei Heimwehgedanken lange aufzuhalten; er stellte Vergleiche
an zwischen der kleinen, wie im Zauberschlaf daliegenden Stadt und
seinen beiden ersten Posten, Paris und Petersburg, von wo er eben kam,
und er fand, daß das Nachtleben hier in bedauerlicher Weise


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