Salomons Schwiegertochter - Felix Hollaender - Страница 1 из 265


Die Kinder werfen den Ball in den blauen Aether
– und fangen sie ihn glücklich wieder auf, jauchzen sie vor
Lust. Wenn aus den Kindern große Menschen werden,
dämmert es ihnen ganz allmählich, zuweilen erst am Rande des
Daseins auf, daß sie nicht warfen, sondern geworfen wurden
– daß Leben und Schicksal mit ihnen Fangball spielten.
Dann beginnt der Boden unter ihren Füßen zu weichen. Sie
starren ins Leere und begreifen Gott und die Welt nicht mehr ...
In diese Lage sollte sich eines Tages die alternde Frau Salomon
gestellt sehen, nachdem alles im Leben ihr vorher geglückt war,
Freunde und Verwandtschaft sie ihres Loses wegen beneidet hatten.
– – – I. Viel früher, als
es sonst in ihrer Gewohnheit lag, ging Frau Salomon aus dem
Geschäft. Ihr Mann hatte längst vor ihr das Büro
verlassen. Die jungen Leute grüßten ehrerbietig die
Chefin, ohne daß sie es bemerkte. Auch daß sie leise
hinter ihr hertuschelten, wurde sie nicht gewahr. Die Salomons
hatten Sorgen. Nicht geschäftlicher Art, aber es gab ja auch noch
andere Kümmernisse. Das ganze Personal wußte es bereits und
sprach davon, ohne eine gewisse Schadenfreude zu unterdrücken.
Die Salomons waren verhältnismäßig rasch in die
Höhe gekommen. Die Firma, die Leder- und Galanteriewaren
führte, gehörte zu den ersten ihrer Art. Von Jahr zu Jahr
hatte man vergrößert, und jetzt reichte kaum das ganze


-10     пред. Страница 1 из 265 след.     +10