Sturmwind im Westen - Felix Hollaender - Страница 1 из 275


stieß er gerade auf den Kollegen Heller, den er erst vor wenigen
Tagen draußen im Moabiter Gerichtspalast kennen gelernt hatte.
Sie begrüßten sich kurz. Dann wies Heller auf die Dame,
die vor einem dieser prunkvollen Spiegel stand und in lässigen,
müden Bewegungen ihre Toilette in Ordnung brachte.
»Meine Frau – Kollege Gent!« Gent verbeugte
sich sehr tief, während die Dame kaum ihren Kopf neigte. Diese
Vorstellung zwischen Tür und Angel schien nicht nach ihrem
Geschmack zu sein. Gent hatte kaum ein paar landläufige
Worte hervorgebracht, als sie schon ihres Mannes Arm genommen, und
während die Diener die Flügeltüren zurückschoben,
in den hell erleuchteten Saal trat. Gent stand einen Moment
verdutzt da. Eine unangenehme Empfindung beschlich ihn. Aber
unmittelbar darauf mußte er lächeln. Wie feierlich Hellers
Vorstellung geklungen hatte, in einem Tone, als ob er die bedeutsamste
Mitteilung zu machen hätte. Von der Dame hatte er so gut
wie nichts gesehen. Und doch war es ihm, als ob er bei diesem
flüchtigen Blick etwas Befremdliches auf ihren Zügen gelesen
hätte. Er strich sich das Haar zurück, dieses
dünne, etwas ins Rötliche spielende Haar, zupfte sich vor
dem Spiegel die Kravatte zurecht und betrachtete sich mit etwas
selbstironischer Miene. Mit dem ein wenig vorgeschobenen Bauch, den
kurzen Beinen und dem breiten Nacken, seinem starken Gesicht mit der


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