Gedichte - Friedrich Hölderlin - Страница 1 из 277


Tageszeit,
Du warst und sahst und stauntest, schon Abend ists,
Nun schlafe, wo unendlich ferne
Ziehen vorüber der Völker Jahre. Und mancher siehet
über die eigene Zeit,
Ihm zeigt ein Gott ins Freie, doch sehnend stehst
Am Ufer du, ein Ärgernis den
Deinen, ein Schatten, und liebst sie nimmer, Und jene, die du
nennst, die Verheißenen
Wo sind die Neuen, daß du an Freundeshand
Erwarmst, wo nahn sie, daß du einmal,
Einsame Rede, vernehmlich seiest? Klanglos ists, armer Mann, in
der Halle dir,
Und gleich den Unbegrabenen, irrest du
Unstät und suchest Ruh und niemand
Weiß den beschiedenen Weg zu weisen. Sei denn zufrieden!
der Baum entwächst
Dem heimatlichen Boden, aber es sinken ihm
Die liebenden, die jugendlichen
Arme, und trauernd neigt er sein Haupt. Des Lebens
Überfluß, das Unendliche,
Das um ihn und dämmert, er faßt es nie.
Doch lebts in ihm und gegenwärtig,
Wärmend und wirkend, die Frucht entquillt ihm. Du hast
gelebt! auch dir, auch dir
Erfreuet die ferne Sonne dein Haupt,
Und die Strahlen aus der schönern Zeit. Es
Haben die Boten dein Herz gefunden. Vernommen hast du sie,
verstanden die Sprache der Fremdlinge
Gedeutet ihre Seele! Dem Sehnenden war
Der Wink genug, und Winke sind
Von alters her die Sprache der Götter. Und wunderbar, als
hätte von Anbeginn
Des Menschen Geist das Werden und Wirken all,


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