Die Marzipan-Lise - Friedrich Halm - Страница 1 из 64


Ungarn lebte in den ersten Jahrzehnten des 18. Jahrhunderts kurze
Zeit nach dem Abschlusse des Szathmárer Friedens ein Kaufmann,
namens Paul Horváth, in Wohlstand und Fülle des Gedeihens.
Er besaß vor den Toren der Stadt ein großes Haus mit
tiefen Kellern und geräumigen Vorratskammern, die gleichwohl zur
Aufbewahrung der Berge von Ballen, Fässern und Kisten, die sie
aufnehmen sollten, kaum hinreichten; denn zunächst mit dem
Umsatze von Tüchern beschäftigt, die er aus Steiermark und
Kärnten bezog, betrieb Horváth nebenbei auch einen
ausgebreiteten Handel mit Wein und Getreide. Das Bestreben, sein
Geschäft in Schwung zu bringen, und das Bedürfnis,
vorteilhafte Handelsverbindungen anzuknüpfen, hatte ihn in
frühern Jahren genötigt, sich bald hier bald dort auf
Märkten und Messen herumzutreiben und ihn nach Venedig, in das
Deutsche Reich, bis nach Holland geführt, so daß die
Erziehung seiner einzigen Tochter Creszenzia und die Verwaltung seines
verwaisten Haushaltes monatelang der alten Margit, einer Base seiner
verstorbenen Frau, überlassen blieb. Später sah er sich
dieser Anstrengungen überhoben; sein Ruf wie sein Wohlstand waren
fest begründet, und Käufer wie Verkäufer, die er sonst
hatte suchen müssen, pochten nun an seine Tür; mit Ausnahme
einiger Tage, die er jährlich auf dem Michaelismarkte zu Ofen
zuzubringen pflegte, mochte er nun in seinen eigenen vier Pfählen
in Bequemlichkeit sein Geschäft betreiben, seine Tochter vom


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