Enzio - Friedrich Huch - Страница 1 из 450


soeben von zwei Stimmen erfüllt gewesen war, die lebhaft,
hoffnungsvoll und heiter redeten, befreit von einem schweren Druck.
Eine verstaubte Flasche alten Weines stand auf dem Flügel, der
schräg die Mitte des Zimmers beherrschte, neben ihr zwei
halbgeleerte Gläser, undeutlich beleuchtet von einer elektrischen
Stehlampe mit grünem Seidenschirm. Ihr Schein fiel voll auf eine
Partitur, deren Zeichen vielfach durchstrichen, verbessert und noch
nicht vollendet waren. An den Wänden hingen sehr große
Lorbeerkränze mit goldbedruckten roten Bändern. Jetzt
öffnete sich die Tür wieder, und der Kapellmeister trat
herein. Er stieß einen langen Seufzer der Erleichterung aus und
ließ sich in einen Sessel fallen, wie jemand, der nach langem
Kranksein, nach schließlicher Operation endlich aus dem Hospital
entlassen, sich auf diesen Augenblick mit einem abschließenden:
Gott sei Dank schon tagelang gefreut hat. Alles glücklich
überstanden! murmelte er für sich, alles am Ende noch gut
abgelaufen, aber es hat 6 meine Nerven doch sehr heruntergebracht.
– Er starrte in einen Winkel, fühlte eine leise
Übelkeit, der sich sogleich der Wunsch anreihte, sich zu
stärken, und sah verlangend nach der Weinflasche. Aber sollte er
schon wieder aufstehen von seinem schönen weichen Sitze? Nach
kurzem Schwanken erhob er sich, trat langsam zum Flügel, sah die
beiden Gläser an und wußte nun nicht mehr, welches sein


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