Mao - Friedrich Huch - Страница 1 из 194


Thomas war in einem großen, alten Hause geboren, das
zurückgezogen und ernst in einer breiten Ecke des Marktes lag, im
Mittelpunkt der Stadt. Es hatte weniger Stockwerke und viel
höhere Fenster als die Nachbarhäuser, die es hart
begrenzten. Hinter dem sonneverbrannten braunen Torbogen lag ein
kühler, hoher Flur, dessen Decke zwei wuchtige weiße
Säulen stützten; eine weite Treppe mit sehr niedrigen Stufen
führte empor bis zur ersten Plattform, bis zu dem quadratisch
geschnittenen, riesigen weißen Schiebefenster, gegen das die
leuchtenden Blätter der Fliederbäume klopften: Da lag
ein weiter Garten mit alten Bäumen und wilden Rasenflächen,
und ein tiefer Hof, überschattet von dem hohen Grün des
Gartens, und stumm und alt schaute die lange Fensterreihe einer
ungeahnten Seitenfront des Hauses auf ihn nieder. Wo sie endete, war
ungewiß. Es war auch ungewiß, was auf der anderen Seite
des Gartens lag. Thomas wußte es, seitdem er sich einmal durch
die dichte hohe Buschmauer bis an den schwärzlichen Lattenzaun
hindrängte: Da sah er tief unter sich ein schmales, dunkles
Wasser ziehen, dahinter kauerten verbaute kleine Häuser. –
In seine Tiefe hinein nahm der Garten endlich jählings ein Ende:
Es legte sich eine rauhe, breite, fensterlose Wand davor, an der in
großen Abständen auf dicken schwarzen Holzplatten schwere
eiserne, verrostete Ringe hingen, unbeweglich, ein Jahr wie das
andere. Die Wand mußte wohl zu einem Gebäude gehören,


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