Peter Michel - Friedrich Huch - Страница 1 из 334


Dorfe. Er hatte träumerische Augen, die sich nie mit
Bewußtsein dauernd auf eine Stelle konzentrieren konnten, und
einen Geist, der fortwährend grübelte, ohne an etwas Festem
zu haften. Er dachte über die abenteuerlichsten Fragen nach, ohne
aber je zu einem Resultate oder zur Annäherung an ein solches zu
gelangen. Er hatte eine unbegrenzte Hochachtung für andere; vor
allem für seine Frau, welche gar keinen Maßstab an sich
legte, sondern sich unbesehen für etwas ganz Bedeutendes hielt.
– Beobachtung fehlte Herrn Michel beinahe gänzlich; doch
hatte er ein gutes Auge für die Füße anderer: er
maß einem jeden sogleich in Gedanken Stiefel an. Einmal
ereignete es sich, daß eine fremde, durchreisende Dame ihm ihr
Schuhwerk zur Ausbesserung bringen ließ, kleine Stiefelchen aus
feinem gelbem Leder. Er, der gewöhnt war, pfundschwere Ware unter
den Händen zu haben, fühlte sich einer so zierlichen Aufgabe
nicht gewachsen. Da war es aber seine Frau, die ihre ganze Energie
einsetzte, der fremden Dame zu zeigen, daß es auch in ihrem
Dorfe Leute gäbe, »welche mit der Welt in Verbindung
ständen«. Sie fuhr persönlich in das nächste
größere Städtchen, kaufte feines Leder, feine Stifte,
Glanzwichse, und die Schuhe wurden repariert. Diese Dame
machte auf den kleinen Peter einen großen Eindruck. Wenn er
später etwas von Prinzessinnen las, dachte er stets sogleich an
gelbe Schuhe, eine Ideenverbindung, die sich erst in seinem weiteren


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