Der Augenblick des Glücks - Friedrich Wilhelm Hackländer - Страница 1 из 426


Erstes Kapitel beginnt langweilig. Hat der geneigte und
vielgeliebte Leser schon früher erfahren, was Langeweile ist? Es
sollte uns freuen, wenn dem so wäre, aber außerordentlich
schmerzen, wenn er die Bekanntschaft dieses fünften Elementes,
wie jemand die Langeweile genannt, erst durch uns machen sollte. Wenn
aber auch der geneigte Leser weiß, was Langeweile ist, so hat er
sich doch vielleicht noch nie die Mühe gegeben, dieselbe
gründlich zu studieren und in ihren Einzelheiten kennen zu
lernen. O, es gibt unendlich viele Abarten von Langerweile! So haben
wir die gewöhnliche hausbackene Langerweile, bei der man alt und
dick werden kann; wir haben eine stille und sinnige Langeweile nach
großen Diners zum Beispiel, die uns wohlthut und angenehm zur
Siesta hinüberführt; – wir haben eine ungeduldige
Langeweile, wenn wir zwischen vier kahlen Brandmauern auf jemand
warten müssen; – wir haben eine beängstigende
Langeweile, wenn uns das Krankenzimmer nicht losläßt, wenn
draußen alles blüht und duftet, und wenn wir, wie der
Bär in seinem Käfig, täglich vierhundertmal den Teppich
von rechts nach links und dann wieder von links nachts rechts mit
unseren Schritten messen; – wir haben eine tödliche
Langeweile, eine ingrimmige, die mit den gefährlichsten Symptomen
auftritt und sich vom krampfhaften Händeballen bis zu allerlei
Schrecklichem steigern kann, die furchtbare Langeweile nämlich,
die uns eine dicke, gemütliche, bekannte Dame verursacht, welcher


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