Erlebtes - Erster Band - Friedrich Wilhelm Hackländer - Страница 1 из 342


Herbstwetter, von der Unterhaltung nach einem guten Diner und
erzählt, wie der Baron nahe daran war, gesteinigt zu werden.
Zu Anfang unserer kleinen, aber wie immer außerordentlich wahren
Geschichte müssen wir dem geneigten Leser sagen, daß es
spät im Herbste ist, so um die Mitte Oktober, jene Zeit, wo Berg
und Haide, die den ganzen Sommer in einem einfachen, grünen
Kleide prangten, nun noch vor dem Winter, ihrem Alter, anfangen recht
kokett zu werden und sich mit den hübschesten und auffallendsten
Farben zu schmücken. Die Natur weiß, daß bald ihre
Anziehungskraft vorbei ist, und sie thut nun alles Mögliche, noch
an sich zu fesseln. Gelb, Braun, Violet, Roth, Alles schimmert durch
einander. Der Boden des Waldes ist mit schon vertrockneten
Blättern bedeckt, einem bunten Teppich gleich; das Weinlaub zeigt
ein gelbes Grün, die Blätter verschiedener Schlingpflanzen
haben sich in Purpurroth verwandelt, und nur der Epheu ist sich gleich
geblieben; er umrankt die grauen Mauern mit derselben Liebe, mit
derselben Treue; er allein scheint nichts von dem herannahenden Winter
zu fühlen, und nur hie und da, wenn der Wind allzu heftig
über die Stoppeln jagt, bewegen sich die kleinen Blätter und
zittern und seufzen. Ach, sie allein werden zurückgelassen, um im
Winter zu frieren! Ja, es ist einer jener Herbsttage, die, wenn
Morgens früh der Nebel in die Thäler hinab sinkt, noch
frisch, warm und angenehm sein können, die aber, wenn das


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