Erlebtes - Zweiter Band - Friedrich Wilhelm Hackländer - Страница 1 из 320


dem Hôtel Reichmann zu Mailand unter den geöffneten
Thüren des Speisesaals, welche in den kleinen zierlichen Garten
hinausführen, saß eine Gesellschaft junger Offiziere
– es waren ihrer sechs – gerade die Zahl, welche für
ein kleines feines Diner die richtige ist, und hatten dies angenehme
und wichtige Geschäft so eben beendigt. Der reich servirte Tisch
prangte in jener malerischen Unordnung des Silbers und Krystalls,
zerstörter Frucht-Pyramiden, entkorkter Champagnerflaschen in
Eiskübeln, jener Unordnung, über welche das befriedigte Auge
so gern hinschweift, den duftigen Kaffee vor sich und die
wohlriechende Havannah im Munde. Es war ein Nachmittag im Mai, die
warme Sonne hatte sich aus dem engen Gärtchen emporgehoben, einer
erfrischenden Kühle Platz machend, die durch Saalthüren und
Korridore aus dem hoch umbauten Hofe hineinströmte. Der goldene
Schein des scheidenden Lichtes zeichnete an den Mauern und
Häusern, welche den Garten umgaben, in dunklen Schatten die
zackigen Giebel der benachbarten Gebäude, küßte
wollüstig die Spitzen einiger hochstämmigen Lorbeer- und
Granatbäume und schien ungern dies trauliche Plätzchen zu
verlassen; doch Zoll um Zoll erhob sich der helle Schein rings umher,
gefolgt von Tausenden von Insekten, welche sich summend auf dem
scheidenden Strahl der Abendsonne emporschwangen und dem kühlen,
dunklen Schatten entflohen. Die lebhafte Conversation während


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