Eugen Stillfried - Erster Band - Friedrich Wilhelm Hackländer - Страница 1 из 348


vielleicht auf eine neue Art. Er macht bei Tagesanbruch die
Bekanntschaft einer würdigen Mutter und wohnt einem
Zwiegespräch bei, welches dieselbe mit ihrem Sohne hält.
Wenn man in einer großen Stadt lebt und spät in der Nacht
oder, noch besser, früh gegen Morgen von einer
durchschwärmten Soirée, einem lange dauernden Souper oder
einem ermüdenden Balle träge und matt nach Hause schleicht,
so bemerkt man, daß jetzt, wo sich fast Alles zur Ruhe begeben
hat, ein eigenthümliches, sonderbar schattenhaftes Getreibe hie
und da beginnt. Tiefe, schlummerverkündende Stille liegt auf den
finsteren Straßen, die Gaslaternen flackern unmuthig, als
wollten sie sagen, sie hätten jetzt des Leuchtens für heute
Nacht genug. In solchen sehr späten oder sehr frühen
Stunden, wo der einsam nach Hause Wandelnde einem andern ebenso
einsamen Wanderer gern aus dem Wege geht – denn ist Dieser ein
Freund und Bekannter, so ist man zu träg, um noch mit ihm zu
sprechen, ist er aber ein Fremder, so braucht er nicht zu wissen,
daß man erst bei anbrechendem Morgen heimkehrt – in
solchen Stunden, wo man in den meisten Straßen nichts vernimmt,
als das eintönige Lied des Nachtwächters, das Rollen eines
fernen Wagens oder das Plätschern sämmtlicher
Röhrbrunnen der Stadt und der Fontainen auf öffentlichen
Plätzen, bemerkt man auf einmal, wenn man sich zufällig
gewissen Stadttheilen nähert, eine seltsame Geschäftigkeit,


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