Eugen Stillfried - Zweiter Band - Friedrich Wilhelm Hackländer - Страница 1 из 327


– Zweiter Band
Einundzwanzigstes
Kapitel. Jungfer Clementine Strebeling erhält einen Brief
und findet sich in Folge desselben bewogen, die Liebe ihrer Freundin
zu unterstützen. Der Jungfer Clementine Strebeling war
unterdessen etwas absonderlich Entsetzliches passirt –
entsetzlich in Betreff ihrer Lebensansichten und ihres
äußerst zarten Nervensystems. Der geneigte Leser wird sich
erinnern, daß er besagte Jungfer Clementine durch unsere
Beihülfe an ihrem Fenster erblickt hat, wo sie aus dem
musikalischen Hause ihr gegenüber das sehnsüchtige Lied
vernommen hatte von der Lotusblume, die sich ängstiget vor der
Sonne Pracht. Hierauf war Jungfer Clementine in eine Verwirrung
gerathen, ja sanft erröthet; und wenn eine alte Jungfer
erröthet und in Verwirrung geräth, so muß eine
wichtige Ursache vorhanden sein. Dem war auch so, und diese
Ursache war, wie wir bereits wissen, nichts Anderes, als die
Erscheinung eines jungen Mannes am gegenüberliegenden,
offenstehenden Fenster des musikalischen Hauses. Jungfer
Clementine Strebeling wußte gar nicht, wie ihr geschehen. Sie
konnte, wie in der Oper, von sich selbst sagen: Sein Blick, mir
zugewendet,
War Blitz und Schlag zugleich. Nicht als ob der Anblick
des Herrn Sidel gar eine heftige Liebe in ihrem jungfräulichen


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