Europäisches Sklavenleben. Dritter Band - Friedrich Wilhelm Hackländer - Страница 1 из 512


Dritter Band Illustrirt von
Arthur Langhammer. Stuttgart. Verlag von Carl Krabbe.
1885. Alle Rechte vorbehalten.
Druck von Gebrüder Kröner in Stuttgart.
 
  64. Ein wildes Leben
»Ah!« fuhr nach einer Weile der Baron fort, »es ist
ein eigenthümliches Gefühl, eines Menschen Blut zu
vergießen. Das ist Ihnen wohl noch nie vorgekommen?«
»Gott soll mich in Gnaden bewahren!« erwiderte entsetzt
der Andere. »Und wollten sich doch das Leben nehmen! –
Sehen Sie, wie vernünftig das Gespenst über Sie
dachte.« »Meines Nächsten Blut! Mich schaudert's,
wenn ich daran denke.« »Ja, ja,« erwiderte
nachsinnend der Baron, »den Nächsten trifft es meistens,
denn bis weithin reicht die Schneide eines Dolches nicht. – Aber
keine Wortglaubereien; – in einem ähnlichen Falle wie dem
eben erzählten kann man in späteren Jahren Alles vergessen,
den Anblick dessen, der von unserer Hand fiel, sein Blut, das wir
sahen; nur etwas nicht, das ist das schreckliche Gefühl des
Eindringens der Waffe. Ah! das ist unvergeßlich!«
»Nun, es muß Sie trösten,« meinte
gutmüthig Herr Beil, »daß Sie damals eigentlich noch
unzurechnungsfähig waren – ein Kind.« »O
sagen Sie das nicht, ich durchlebte in dem Moment eine Reihe von
Jahren, und war nachher so bedacht und entschlossen, daß man mir


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