Handel und Wandel - Friedrich Wilhelm Hackländer - Страница 1 из 436


Kapitel . Der Beruf. In den für mich so denkwürdigen
Tagen, wo ich Schulbank und Spielplatz verlassen mußte, um als
Glied in die Kette einzutreten, an der unter dem Namen
Geschäftsleben die ganze Welt zappelt und vergebens nach der
verlorenen Freiheit ringt, in jener Zeit war noch viel weniger als
jetzt von einer Kunst die Rede, in der man es freilich bis auf diesen
Tag noch nicht weit gebracht hat. Ich meine die Kunst, den Kopf eines
Menschen mit einigen gewandten Griffen zu betasten und ihm genau zu
sagen, welche Anlagen er besitzt, welche Fähigkeiten er
auszubilden hat und welches Geschäft er ergreifen muß,
damit er später nicht, gleich so vielen, über verfehlten
Beruf zu klagen haben möge. Wäre es aber auch damals
möglich gewesen, mir nach den Auswüchsen meines Kopfes genau
zu sagen, wozu ich befähigt sei, so hätten es mir doch die
Verhältnisse nicht erlaubt, ein anderes Geschäft zu
ergreifen, als wozu mich die Vorsehung und einiger Geldmangel bestimmt
hatten. Ich hatte keine Eltern mehr und befand mich im Hause und
unter der Aufsicht einer Tante, die Witwe war und einen kleinen Laden
führte, wo ich ihr in meinen Freistunden hilfreiche Hand
leistete. Ich fertigte ausgezeichnete Papiertüten und hatte es
schon so weit gebracht, daß ich ein Pfund Zucker oder Kaffee
abwiegen konnte, als die Zeit herankam, wo ich ins Leben treten
sollte. Meine Großmutter hatte damals ihren Wohnort im Hause


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