Märchen - Friedrich Wilhelm Hackländer - Страница 1 из 659


die meisten unserer schönen Sagen und Märchen herschreiben,
prangten die herrlichen Gefilde am Neckar noch nicht, wie jetzt, im
Schmuck der Getraide- und Obstfelder; die Höhen bedeckte damals
noch dichter, finsterer Wald, aus dem nur hie und da ein Lug in's
Land, auch Langerhaus genannt, wie man sie heute noch erblickt,
emporragte. Doch diese alten Gemäuer, deren Thurm und Fenster
jetzt mit wehendem Epheu bedeckt sind, und an deren Fuß das
dichte Unkraut emporwuchert, faßten damals ein ganz anderes
Leben in sich. Da hörte man nicht den fröhlichen Gesang der
Weingärtner oder das Geknarr eines Wagens, der hinaus in's Feld
fuhr, um die goldenen Früchte aufzuladen, sondern der Knappe, der
mit eherner Pickelhaube und gewaltigem Spieß dort oben hinter
der Brustwehr stand und in die Gegend hinaussah, vernahm nur zuweilen
das Röhren eines Hirsches, den Schall eines Hüfthorns oder
den Schlag der Axt, die einen mächtigen Eichbaum niederwarf. Der
Neckar, der schöne klare Fluß, strömte, wie auch noch
jetzt, zwischen den Bergen dahin; doch sahen seine Ufer keine reichen
Städte oder blühende Dörfer, sondern sie waren bedeckt
mit Schilfgras und Weidengestrüpp, durch das sich nur hie und da
ein kleiner Pfad wand, der Wechselgang der Hirsche, wo diese zu Wasser
gingen. Etwas abseits von dem Flusse, ungefähr eine Stunde
weit in's Land hinein, ist ein schönes Thal, rings von Bergen
eingefaßt und beschützt, eine Wohnung der süßen


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