Namenlose Geschichten - Erster Band - Friedrich Wilhelm Hackländer - Страница 1 из 368


unserer Leser ergehen wie uns, daß er sich nämlich beim
Anblick alter, zumal verfallener Gebäude und bei
Spaziergängen auf wüsten Plätzen, die früher von
einiger Bedeutung waren, unwillkürlich aber gern der Vorzeit
erinnert, welche jene alten halbverfallenen Gelände
bevölkerte und in glänzenden Gewändern voll Lust und
Freude über die jetzt so öden Plätze dahinschritt. In
unserer Umgebung, und wohnten wir auch in der kleinsten Stadt, ist so
Manches, das durch sein Aussehen fremdartig in unser Leben
hereinblickt. Sind es nicht alte Schlösser, welche Kunst und
Fleiß der Vorfahren mit riesenhaften, reichverzierten Thorwegen,
mit Statuen und Sculpturen aller Art geschmückt, so ist es ein
einsamer Marktbrunnen mit Röhren in Gestalt fabelhafter Unthiere,
aus denen das Wasser sprudelt, oder eine alte Rittergestalt, die
sonderbar lächelnd auf die neue Generation herabblickt, welche
sie umgibt und nicht selten ebenso verwundert hinaufschaut. Die alten
Häuser rings um den Brunnen sind dieselben geblieben, und an
hohen Giebeln hängen in den willkührlichsten Gestalten
allerlei Dachrinnen-Thiere, die so häßlich, wie sie der
Künstler geschaffen, nie existiren konnten; die Kirchthurm-Uhr
hat denselben bekannten Klang, wie vor vielen hundert Jahren, nur ist
sie vor Alter etwas heiser geworden; die Thüren da unten
öffnen sich auf dieselbe Art wie früher, und die Bewohner
der Häuser kommen nach wie vor aus denselben heraus, aber der


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