Namenlose Geschichten - Zweiter Band - Friedrich Wilhelm Hackländer - Страница 1 из 319


in welchem die Jungfer Kiliane wohnte, war, wie überhaupt die
meisten, die, von der Stadt aus gerechnet, diesseits des alten Grabens
standen, uralt und zählte noch mehr Lebensjahre, als das Kloster
selbst. Es war versehen mit jenem hohen und spitzen Giebeldache, wie
es die Alten so gern auf ihre Häuser setzten, mit mehreren
Etagen, Böden und Kammern; dasselbe hielt das Haus warm,
schützte es vor allen Winterstürmen und es stund darunter
da, wie mit einer riesenhaften und warmen Schlafmütze versehen.
Im Hofe dieses Gebäudes befanden sich Wagenschuppen,
Holzremisen, die, obgleich sie einer viel, viel späteren Zeit
angehörten, doch neben dem gesunden und soliden Hauptbau
krüppelhaft und altersschwach dastanden. Auf diesen Remisen waren
ein Paar Zimmer, die einmal von einem Handelsherrn erbaut worden, der,
im Vorderhause wohnend, im Hintergebäude seine Schreibstuben
haben wollte; auch hatte er eine Gallerie bauen lassen, durch welche
die verschiedenen Gelasse mit einander verbunden wurden. Nachdem aber
nach einer Reihe von Jahren das Geschäft des Kaufmannes in dem
Vorderhause aufgehört, wurden die Stuben im Hintergebäude
vermiethet – zuerst an ordentliche Leute, solange sie gut
aussahen; später, als die Tapeten nach und nach alt wurden, als
man die zerbrochenen Fenster nur noch nothdürftig flickte, als
die alte Treppe wackelte und unter jedem Fußtritt knarrte, da
kam das Logis immer mehr herunter, bis es zuletzt von einer gewissen


-10     пред. Страница 1 из 319 след.     +10