Heitere Geschichten - Georg Heim - Страница 1 из 81


bayerischen Gelände meiner Jugend habe ich nichts anderes
gewußt, als daß der reiche Obstsegen, den das ganze Land
hat, auch für uns Buben da sei. Äpfel und Birnen, Zwetschgen
und Nüsse waren in der Sommer- und Herbstzeit begehrte Artikel,
und wir haben daran keinen Mangel gehabt. Man ist durch Feld und Flur
gestreift und hat sich zunächst mit Fallobst begnügt. Wenn
aber dieses nicht in ausreichendem Maße vorhanden war, hat man
auch einmal einen Apfel oder einige Birnen oder Zwetschgen vom Baum
geworfen oder geschüttelt. Recht ist es ja nicht gewesen, aber es
ist doch ein großer Unterschied: wo in einer Gegend Obst eine
Seltenheit ist, dort gilt ein solcher Raub als ein großes
»Verbrechen«. Aber diese schönen Tage waren bald
vorüber. Mit dem Spätherbst und Winter bis Weihnachten gab
es zu Hause in der Familie noch Äpfel von der eigenen Obsternte
oder gekauftes Obst. Aber anders wurde die Sache »mit dem Langen
der Tage«. Da ging auch das Obst bald aus. Aber so ein
Schulbube, so ein richtiges Luder, weiß sich zu helfen. 2
Ein Nachbar meines Elternhauses hatte ein sogenanntes Apfelbett.
Überall versteht man diesen Ausdruck nicht. Ich will ihn daher
erklären. Es werden in die vier Ecken des Kellers Haken
eingeschlagen und an diese werden die vier Zipfel eines großen,
starken Tuches aufgehängt. Das ist das Apfelbett. Es wird alsdann
Stroh darauf gelegt und auf dieses Stroh werden die Äpfel
gelagert, so daß das Ganze etwas über dem Boden schwebt.


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