Doktor Herzfeld. Erster Teil - Georg Hermann - Страница 1 из 313


Erster Teil. Die Nacht Deutsche Verlags-Anstalt
Stuttgart 1922
  Eines stand fest: musikalisch
war Doktor Alwin Herzfeld nicht. Denn, wenn er gegen Abend oder am
späten Nachmittag – eigentlich wohl immer zur gleichen
Zeit, aber was im Winter Abend, ja beinahe Nacht ist, das ist es ja im
Sommer noch keineswegs ... wenn Doktor Herzfeld da – er wohnte
irgendwo ganz draußen im Westen in einem Gartenhaus –
über den Hof ging, dann pfiff er stets: einmal, zweimal, auch
dreimal – nie öfter. Und eben dieses Pfeifen verriet ihn.
Durchaus nicht nur einen Ton flötete er, sondern eine ganze
Tonfolge, immer die gleiche, sieben Töne hintereinander. Den
Pfiff kannten alle im Haus, während den Doktor selbst bisher kaum
jemand gesehen hatte. Er war wie der Vogel Bülow, dessen Ruf man
kennt, den man aber nur selten und schwer zu Gesicht bekommt.
Und Fräulein Viola Maisberg, die da unten ein Institut für
orthopädisches Turnen unterhielt und bestrebt war, blasse kleine
Mädchen des beginnenden Buckels und der schiefen Hüfte zu
entwöhnen, und die ihre Stunden stets bei offenem Fenster gab,
– denn ihre Opfer sollten sich ja auch abhärten – sie
war der Meinung, daß es ein weniger bekanntes Motiv einer
weniger bekannten Oper des dafür desto mehr bekannten Richard
Wagner wäre ... vielleicht aus dem Parzival oder aus Tristan und


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