Heinrich Schön jun. - Georg Hermann - Страница 1 из 406


Zuerst erschienen: 1915  
Alles war geblieben wie einst, nichts war geschwunden,
nichts war geändert. Mit all ihren Putten und Kränzen
standen die Straßenzüge in der hellichten Sonne, still,
verschlafen und vornehm, und jede Minute konnte man glauben, daß
der Alte Fritz mit dem Krückstock einen auf die Schulter tippen
müsse: »Hör' Er.« Oder er war nur gerade
fortgegangen, vielleicht nach Berlin gefahren, vierspännig, mit
stehenden Lakaien hinter sich auf der Kalesche, oder noch einmal in
irgendeinen Krieg; gezogen... Sicherlich, alles schien zu warten,
daß er wiederkäme. Es war ein bißchen alt und ein
bißchen grau dabei geworden und ein bißchen höher die
Bäume an den Kanälen und um das Bassin und auf der Plantage;
ein bißchen üppiger das Gras zwischen den Pflastersteinen,
aber es wartete – ergeben und reglos. Nur alle Viertelstunden,
wenn das Glockenspiel der Garnisonkirche hoch über die
Straßen hin klimperte, schien es sich einen Augenblick zu
besinnen; doch schon in der nächsten Sekunde träumte es
wartend weiter – ganz ruhig. Des Mittags um zwölf
hätte man mit Kanonen die Straßen herunterschießen
können, ohne irgendeine Menschenseele in Gefahr zu bringen.
Alles – alles war geblieben wie einst, nichts war geändert.
Draußen zog ebenso in weiten, stillen Bogen die Havel immer noch
ihre wundervollen blauen Seidentücher um die Insel


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