Jettchen Gebert - Georg Hermann - Страница 1 из 524


erzählen, einfach deshalb, weil es mich gelüstet, es zu tun.
Aus keinem Grunde sonst. Ich will mich ganz in ihr verplaudern, mich
darin einspinnen wie der Seidenwurm in seine eigenen Fäden. Nehmt
es als Laune! Denkt, es ist ein Spielzeug, das er sich da
zusammenbaut! Weiß Gott, weshalb! Aber – hört zu!
Denn erzähle ich nicht diese Geschichte, so wird niemand sein,
der sie euch erzählen wird, und sie könnte verlorengehen,
könnte ungeschehen werden – und das wäre schade! Sie
selbst nämlich, die an den Vorgängen Anteil hatten, werden
nichts mehr von ihnen verraten. Keine Silbe darüber werdet ihr
von ihnen vernehmen; denn sie sind ein wenig schweigsam, seitdem sie
sich vom Geschäft dieses Daseins vor einigen Jahrzehnten
zurückgezogen haben, um ungestört in behaglicher
Selbstbeschaulichkeit auf den Tag zu warten, an dem mit Schnur und
Meßstange Wege und Straßen durch die lärmumwogte
Einsamkeit ihres heutigen Domizils gezogen werden, und man statt ihrer
bescheidenen efeubezogenen Hügel, zwischen denen sich nachmittags
die Kinder jagen, granitene Bordschwellen und Platten für den
Bürgersteig zu Haufen schichtet. Es ist Sage geworden, das Leben
all derer, von denen ich sprechen werde. Mehr noch – es hat sich
in Nichts aufgelöst, sie sind, wie der Psalmist sagt,
dahingegangen, als ob sie nie gewesen wären. Und deshalb
laßt mich von ihnen sprechen! Denn es ist eine Ungerechtigkeit,
eine schreiende Ungerechtigkeit, daß etwas, das einmal gewesen


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