Der Dieb - Georg Heym - Страница 1 из 171


Inhalt: Der fünfte Oktober Der Irre Die Sektion
Jonathan Das Schiff Ein Nachmittag Der Dieb
Der fünfte Oktober Am 5. Oktober sollten die Brotkarren
aus der Provence nach Paris kommen. Der Stadtrat hatte es an allen
Straßenecken in seinen großen roten Lettern anschlagen
lassen. Und das Volk trieb sich den ganzen Tag vor ihnen herum wie vor
den Toren einer neuen und ungeheuren Offenbarung. Ausgehungert bis in
die Knochen träumte es da von Paradiesen der Sättigung,
ungeheuren Weizenfladen, weißen Mehlpasteten, die in allen
Garküchen prasseln würden. Alle Schlote sollen rauchen.
Man wird die Bäcker an die Laternen hängen, man wird selber
braten, man wird seinen Arm bis über die Ellenbogen in Mehl
tauchen. Das weiße Zeug wird die Straßen wie ein
fruchtbarer Schnee überziehen, der Wind wird es vor der Sonne
hintreiben wie eine dicke Wolke. Auf allen Straßen werden
große Tische aufgestellt werden, Paris wird ein großes,
gemeinsames Mahl abhalten, einen gewaltigen Sabbat. Die Menschen
drängten sich vor den verschlossenen Kellern der Bäckereien
und schielten herab auf die leeren Backtröge, die hinter den
Gitterfenstern standen, sie sahen vergnügt auf die schwarzen
Mäuler der riesigen Backöfen, die ohne Feuer standen und,
wie sie, nach Brot hungerten. An einer Straße eines Viertels
am Mont Parnasse wurde eine Bäckerei erbrochen, mehr aus langer


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