Eine Fratze - Georg Heym - Страница 1 из 2


Maske. Unsere Krankheit ist grenzenlose Langeweile. Unsere
Krankheit ist wie ein Extrakt aus Faulheit und ewiger Unrast.
Unsere Krankheit ist Armut. Unsere Krankheit ist, an einen Ort
gefesselt zu sein. Unsere Krankheit ist, nie allein sein
können. Unsere Krankheit ist, keinen Beruf zu haben,
hätten wir einen, einen zu haben. Unsere Krankheit ist
Mißtrauen gegen uns, gegen andere, gegen das Wissen, gegen die
Kunst. Unsere Krankheit ist Mangel an Ernst, erlogene Heiterkeit,
doppelte Qual. Jemand sagte zu uns: Ihr lacht so komisch.
Wüßte er, daß dieses Lachen der Abglanz unserer
Hölle ist, der bittere Gegensatz des: »Le sage ne rit qu'en
tremblant« Baudelaires. Unsere Krankheit ist der Ungehorsam
gegen den Gott, den wir uns selber gesetzt haben. Unsere Krankheit
ist, das Gegenteil dessen zu sagen, was wir möchten. Wir
müssen uns selber quälen, indem wir den Eindruck auf den
Mienen der Zuhörer beobachten. Unsere Krankheit ist, Feinde
des Schweigens zu sein. Unsere Krankheit ist, in dem Ende eines
Welttages zu leben, in einem Abend, der so stickig ward, daß man
den Dunst seiner Fäulnis kaum noch ertragen kann.
Begeisterung, Größe, Heroismus. Früher sah die Welt
manchmal die Schatten dieser Götter am Horizont. Heut sind sie
Theaterpuppen. Der Krieg ist aus der Welt gekommen, der ewige Friede
hat ihn erbärmlich beerbt. Einmal träumte uns, wir


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