Das Gymnasium zu Stolpenburg - Hans Hoffmann - Страница 1 из 219


Art, wie er seine Liebeserklärung endlich ablegte: er ging aus
von der Nibelungenfrage. Für einen Eingeweihten lag
eigentlich nichts besonders Auffallendes darin, und Fräulein Anna
war eingeweiht; sie kannte den Feuereifer, mit dem er seine
germanistischen Studien betrieb, und hatte auch, wenn nicht einen
Begriff, so doch eine Ahnung von der Wichtigkeit derselben im Haushalt
der Wissenschaft; darum vermochte sie es auch über sich, geduldig
zuzuhören und auszuharren, bis er eine Durchfahrt zum Hauptthema
fände. Denn sie wußte natürlich längst, wohin das
Schifflein seiner Rede steuerte; schon die fürchterliche
Feierlichkeit, die er zur Schau trug, als er sie zu dem
gewöhnlichen Spaziergang abholte, mußte ihr ein
Leuchtfeuerchen aufstecken. Und es scheint festzustehen, daß die
Ueberraschung sie nicht überwältigte; ganz sicher ist,
daß sie ihr nicht durchaus unangenehm war. – 10
Es ist richtig, ein absonderlich schöner Mann war dieser
Schulamtskandidat Christian Dinse kaum zu nennen, und ein Muster
weltsicheren Auftretens erst recht nicht; es lag vielmehr in seiner
Haltung und Gebärde stets etwas Eckiges, Unausgewachsenes,
Dumpfes, jenes geheimnißvolle kleine Unwesen, das den meisten
germanischen Jünglingen zwischen sechzehn und sechzig, zumal wenn
sie gelehrt sind, anzuhaften pflegt, als ob ihre Hosen immer um eine
Kleinigkeit zu lang oder die Aermel um eine Kleinigkeit zu kurz
wären, oder die Knöpfe irgendwo nicht in der richtigen


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