Die Teufelsmauer und andere Erzählungen - Hans Hoffmann - Страница 1 из 98


Hans Hoffmann   Mit Zeichnungen von Theodor Herrmann
    Hamburg-Großborstel
Verlag der Deutschen Dichter-Gedächtnis-Stiftung
1912     Inhaltsverzeichnis Die
Teufelsmauer Wasser, ein Weinmärchen Schattenseite
Der Toten Sehnsucht     Die
Teufelsmauer Ein Harzmärchen Vor Zeiten lebte zu
Halberstadt, das damals noch Bischofssitz war, eine wohlbegüterte
Jungfrau namens Ilsebill, die aber so grausam häßlich war,
wie es heutzutage lebendige Mädchen gar niemals mehr sind, und
wie unsere armen Männeraugen das gar nicht mehr ertragen
würden. Sie selbst aber glaubte durchaus nicht daran, daß
sie so mißgestaltet sei, sondern hielt sich, wenn auch nicht
geradeaus für eine Schönheit, so doch immerhin für
einen ganz netten Käfer. »Es mag ja wahr sein,«
pflegte sie zu sagen, »daß meine rechte Schulter etwas
höher ist als die linke, aber dafür ist das linke Bein
wieder länger als das rechte: das gleicht sich doch aus. Und wenn
die Leute sagen, ich schiele – nun, meinetwegen: aber doch auf
beiden Augen; da bleibt das Gleichmaß ungestört. Und mein
Mund mag etwas groß sein, und die Zähne etwas lang, aber
dafür ist die Nase desto feiner und kleiner, eigentlich nur noch
ein Knöpfchen. Mein Haar soll fuchsrot sein und meine
Gesichtsfarbe gelb: aber diese beiden Tinten stimmen doch wundervoll


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