Im Lande der Phäaken - Hans Hoffmann - Страница 1 из 196


die Stadt Korfu und wanderte hinaus in das von allen Göttern
gesegnete, glanzumflossene Land; es war schon Sommer, und bald wurde
die Hitze übergewaltig, mühsam wand ich mich seitwärts
vom sonnigen Wege durch den Schatten der prachtvollen Oelwälder,
deren Gleichen der Süden nicht wieder trägt, und gegen die
Mittagsstunde machte ich völlige Rast bei einem Dorfe, an einer
unter Reisenden berühmten Stelle, am Brunnen von Gasturi. Eine
mächtige Platane, ein bewunderter Baum, breitet seine Aeste
reichschattend über den Platz, wo das Wasser sprudelt, und weit
dehnt sich hinter der offenen Schlucht, die ein Theil des Dorfes und
Orangengärten füllen, das hügelige Land bis zu den
kahlen Bergen, die den Blick mit kühnen und feinen Linien
begrenzen. Hier warf ich mich nieder ins hohe Gras und träumte in
die Landschaft hinaus. Die Sonne stand gerade über der Platane,
die mich 2 schützte, aber draußen wogte und zitterte die
glühende Luft, und wie ein lebendiger Schleier wallte es weich
über den mattgrünen Wäldern und über den grauen,
in das Grün begrabenen Dörfern auf den Höhen; und
dieser Schleier war aus Gold gewirkt, unendliche Ströme von Licht
flutheten über die Erde, und dennoch standen Berge und Wald wie
in dämmerndem Dunst verschwimmend vor den Augen, fast als
läge Mondschein darüber. Es war so stumm im Lande wie in
einsamer Mitternacht, gnädige Ruhe deckte das Leben, nicht Mensch
noch Thier regte sich vor den Häusern, keines Vogels Ruf klang


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