Iwan der Schreckliche und sein Hund - Hans Hoffmann - Страница 1 из 196


Anfang. »Wie Kraniche, ihr Klagelied singend, ziehn
–« so wälzten sich die Gymnasiasten von
Stolpenburg in endlosen Reihen heran, alle in jener trostlosen
Stimmung unbestimmter Gewissensangst, wie sie nach den Ferien auch des
redlichsten Schülers Brust beklemmt, nachdem die von hundert
jungen Herzen liebevoll gepflegte Hoffnung wieder einmal zuschanden
geworden ist, die Hoffnung, es möchte noch in der letzten Nacht
das Gymnasialgebäude ein Raub der Flammen oder der Direktor eine
Beute jähen Todes geworden sein, oder mindestens werde durch den
Ausbruch der Cholera, der Pest oder des Schwarzen Todes, durch einen
tropischen Zyklon, ein ungeheures Erdbeben, die plötzliche
Erhebung eines feuerspeienden Berges mitten auf dem Marktplatz oder
ein ähnliches Ereignis von öffentlichem Interesse der Beginn
des Unterrichts noch um einige Tage verzögert werden. Auch
diesmal war nichts dergleichen geschehen; die breite Tür des
Gymnasiums war höhnisch aufgesperrt, und nicht das kleinste
Hindernis stand dem freien Eintritt in die Klassenräume entgegen.
Da waren sie wieder, die kahlen, graugetünchten Wände,
die großen Fenster mit den kleinen Scheiben, die schwarze Tafel,
das dräuende Katheder, die 6 nüchtern hingereckten Tische;
selbst der einzige Schmuck der letzteren, die kunstvoll
eingeschnittenen Buchstaben, flammende oder durchbohrte Herzen und
andre Sinnbilder früher Seelenzartheit, waren durch brutales


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