Strafsache van Geldern - Hans Hyan - Страница 1 из 188


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1 Am blauen,
durchsichtigen Himmel zogen weiße Wölkchen friedlich von
Osten nach Westen. Ein paar Schwalben schossen durch den Äther.
Das und der Wipfel einer dunkelgrünen Kiefer waren das einzige,
was Paulus van Geldern seit sechs Monaten, seit dem Beginn dieses
Jahres 1931, von der Welt sah. Er stand in seiner hellgetünchten
Zelle unter dem hohen Gitterfenster mit erhobenen Augen und blickte da
hinaus durch das besonnte Rechteck, dessen Eisenstäbe in der
Morgensonne glitzerten. Er dachte nichts. Seine Seele war
hinausgeflogen in die leuchtende Weite, war eins und tief verbunden
mit einer anderen, der er in Liebe ergeben war. Hinter seinem
Rücken rasselten die Schlüssel. Die wuchtige Eisentür
ging auf, und der Aufseher, ein hoher, schlanker, blonder Mensch,
stand in dem schmalen Türrahmen: »Es ist Zeit, Herr
van Geldern. Sie müssen zur Verhandlung!« Van Geldern
drehte sich langsam um. Er blickte durch den jungen Aufseher
hindurch, als sei der Mann aus Glas. Er sah in diesem Augenblick schon
den Schwurgerichtssaal vor sich, angefüllt mit Menschen, die
gekommen waren, um seine Erniedrigung mitanzusehen, das Urteil
über seine Schuld oder Unschuld zu hören. Da richtete
er sich mit einem Ruck in die Höhe, warf den Kopf mit dem
kurzgeschnittenen dunklen Haar in den Nacken und trat an dem


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